Gefährdungen für die Bestände der Kreuzotter gehen vor allem von Beeinträchtigungen der Lebensräume aus, etwa durch die Verbuschung oder Aufforstung von Sonnenplätzen oder durch Bewirtschaftungs- bzw. Baumaßnahmen in Heide- und Waldrandgebieten. In Ostdeutschland werden insbesondere durch die Abkehr von der Kahlschlagwirtschaft sonnige Bereiche, die sonst als Frühjahrssonn- und Paarungsplätze genutzt wurden, im Wald immer seltener. In diesen Wäldern bedarf es deshalb aktiver Biotopentwicklungsmaßnahmen zum Schutz der Kreuzotter. Ein weiterer Grund für die starke Gefährdung der Kreuzotter ist die zunehmende Zerschneidung der Wälder durch Fernstraßen. Den eingeschlossenen Populationen droht die genetische Verarmung und langfristig das lokale Aussterben.
In früheren Jahrzehnten wurden viele Populationen durch massenhaftes Töten von Tieren (gefördert durch staatliche „Kopfprämien“ pro erlegtem Exemplar) erheblich reduziert. Durch Wiedervernässungsmaßnahmen in teilabgetorften Hochmooren werden Reptilien oft in die Randbereiche verdrängt.
Gesetzlicher Schutzstatus (Auswahl)
- Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL): nicht aufgeführt
- Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV): Anlage 1
- Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG): besonders geschützt
Nationale Rote Liste-Einstufungen (Auswahl)
- Rote Liste Bundesrepublik Deutschland: 2 - stark gefährdet
- Rote Liste Österreichs: VU (entspricht: gefährdet)
- Rote Liste der Schweiz: EN (entspricht: stark gefährdet)
Wie alle europäischen Schlangenarten ist sie im Anhang II der Berner Konvention (Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume) verzeichnet und genießt dadurch innerhalb der Europäischen Union strengen Schutz. Die Tiere dürfen weder getötet noch gefangen werden; Halter dieser Schlangenart müssen entsprechende Herkunfts- und Nachzuchtsbestätigungen vorlegen.
Im Volk entstand auch der Aberglaube, dass rote oder schwarze Kreuzottern besonders giftig seien.
Vielfach wurde die Kreuzotter auch als Arzneimittel für Mensch und Tier gefangen. So wurden etwa in Litauen zerstückelte Kreuzottern an Schweine verfüttert, in dem Glauben, dass diese dadurch besser wachsen würden.
Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den unter Literatur angegebenen Quellen, darüber hinaus werden folgende Quellen zitiert:
- ↑ Alle Angaben nach Nilson et al. 2005
- ↑ Hans-Jürgen Biella, Wolfgang Völkl: Die Biologie der Kreuzotter (Vipera berus, L. 1758) in Mitteleuropa – ein kurzer Überblick. In: Michael Gruschwitz, Paul M. Kornacker, Richard Podloucky, Wolfgang Völkl, Michael Waitzmann (Hrsg.): Verbreitung, Ökologie und Schutz der der Schlangen Deutschlands und angrenzender Gebiete.. Mertensiella 3, 1993
- ↑ Artenliste nach Andrey Bakiev: Über die Nahrungsbeziehungen der Kreuzotter (Vipera berus) in der mittleren Wolgaregion als Räuber und Beute von Wirbeltieren. In: Ulrich Joger, Ralf Wollesen (Hrsg.): Verbreitung, Ökologie und Schutz der Kreuzotter (Vipera berus). Mertensiella 15, 2004
- ↑ Wolfgang Völkl, Hans-Joachim Clausnitzer, Arno Geiger, Ulrich Joger, Richard Podloucky, Steffen Teufert: Kreuzotterschutz, Jagd und Forstwirtschaft. In: Ulrich Joger, Ralf Wollesen (Hrsg.): Verbreitung, Ökologie und Schutz der Kreuzotter (Vipera berus). Mertensiella 15, 2004
- ↑ P. Lenk, S. Kalayabina, M. Wink & U. Joger (2001): Evolutionary relationships among the true vipers (Reptilia: Viperidae) inferred from mitochondrial DNA sequences. Molecular Phylogenetics and Evolution 19: 94–104. (Volltext PDF)
- ↑ Svetlana Kalyabina-Hauf, Silke Schweiger, Ulrich Joger, Werner Mayer, Nicolai Orlov, Michael Wink: Phylogenie und Systematik der Kreuzottern (Vipera berus-Komplex). In: Verbreitung, Ökologie und Schutz der Kreuzotter (Vipera berus). Mertensiella 15, 2004 (Zusammenfassung des Tagungsberichts)
- ↑ S. Ursenbacher, M. Carlsson, V. Helfer, H. Tegelström, L. Fumagalli: Phylogeography and Pleistocene refugia of the adder (Vipera berus) as inferred from mitochondrial DNA sequence data. Molecular Ecology 15, 2006; Seiten 3425–3437
- ↑ Appendix II der Berner Konvention
- Göran Nilson, Claes Andrén, Wolfgang Völkl: Vipera (Pelias) berus (Linnaeus, 1758) – Kreuzotter. In: Ulrich Joger, Nicolai Stümpel: Schlangen (Serpentes) III Viperidae. in der Reihe Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas Band 3/IIB. Aula-Verlag, Wiebelsheim 2005; Seiten 213–292. ISBN 3-89104-617-0
- Hans Schiemenz, Hans-Jürgen Biella, Rainer Günther, Wolfgang Völkl: Kreuzotter – Vipera berus (Linnaeus, 1758). In: Rainer Günther (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. Gustav Fischer Verlag, Jena 1996; Seiten 710–728. ISBN 3-437-35016-1
- David Mallow, David Ludwig, Göran Nilson: True Vipers. Natural History and Toxicology of Old World Vipers. Krieger Publishing Company, Malabar (Florida) 2003; Seiten 242–252. ISBN 0-89464-877-2
- Hans Schiemenz: Die Kreuzotter. Neue Brehm-Bücherei Band 332, Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 1995. ISBN 3-89432-151-2
- Ulrich Joger, Ralf Wollesen (Hrsg.): Verbreitung, Ökologie und Schutz der Kreuzotter (Vipera berus). Mertensiella 15, 2004; ISBN 3-9806577-6-0
- Ulrich Gruber: Die Schlangen Europas und rund ums Mittelmeer. Franck'sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 1989; Seiten 193–194. ISBN 3-440-05753-4