Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), auch Tüpfel-Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu genannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae). Es ist wegen seiner verschiedenen Inhaltsstoffe wie ätherischer Öle und Gerbstoffe eine seit alter Zeit geschätzte Heilpflanze.
Das Echte Johanniskraut ist eine ausdauernde Pflanze mit stark verästelter, spindelförmiger, bis 50 cm Tiefe reichender Wurzel. Der 15 cm bis einen Meter hohe aufrechte Stängel ist durchgehend zweikantig und innen markig ausgefüllt (nicht hohl). Dadurch unterscheidet sich das Echte Johanniskraut von anderen Johanniskrautarten. Am oberen Stängelteil ist die Pflanze buschig verzweigt.
Die oval-eiförmigen bis länglich-linealischen Blätter sind mehr oder weniger sitzend, gegenständig angeordnet. Sie werden bis 3 cm lang und sind dicht mit durchsichtigen Öldrüsen besetzt. Am Rand sind die Blätter mit schwarzen Drüsen, durchscheinend punktiert. Bei den Punktierungen handelt es sich um Ölbehälter, in denen das helle ätherische Öl der Pflanze konzentriert ist.
Der Blütenstand ist eine Trugdolde. Die fünf Kelchblätter sind bis 5 mm lang, länger als der Fruchtknoten, (ei)-lanzettlich, fein grannenartig zugespitzt, mit hellen und schwarzen Drüsen. Die fünf Kronblätter sind bis 13 mm lang, nur auf einer Seite gezähnt, goldgelb, am Rande schwarz punktiert. Die 50-60 manchmal bis 100 Staubblätter umgeben in drei Gruppen angeordnet den oberständigen, ovalen Fruchtknoten. Aus drei Staubblattanlagen entstehen drei Cluster mit insgesamt bis zu 80 einzelnen Staubblättern - zentrifugales Dedoublement, siehe Sekundäre Polyandrie
Der oberständige Fruchtknoten ist in drei Fächer unterteilt und kürzer sind als die Kelchblätter. Die Frucht ist eine schmal-eiförmige, bis 10 mm lange, geriefte dreifächrige Spaltkapsel. Die Samen sind länglich, gebogen und fein netzförmige mit einer Länge von ca. einem Millimeter. Die Blütezeit ist Juni bis August.
Die Art tritt vorwiegend in größeren Gruppen auf, allerdings sind diese selten bestandsbildend. Als ökologische Zeigerwerte nach Ellenberg wird die Art als Halbschattenpflanze für mäßigwarme bis warme Standorte bei gemäßigtem Seeklima angegeben. Die angezeigte Bodenbeschaffenheit ist danach gleichmäßig trocken bis mäßig feucht, niemals stark sauer sondern stickstoffarm. Das Echte Johanniskraut ist eine sommergrüne Schaftpflanze (Überwinterte Pflanze ohne Rosette). Ihre Blätter sind durch zahlreiche schizogene Ölbehälter punktiert.
Die Blüten sind homogene „Pollen-Scheibenblumen“ in zusammengesetzten Dichasien mit (zur Fruchtzeit gut erkennbaren) Schraubeln. Die zahlreichen Staubblätter stehen in 3 Büscheln zusammen. Statt Nektar ist ein anbohrbares Gewebe von unsicherer ökologischer Bedeutung vorhanden. Fremdbestäubung erfolgt durch Pollen suchende Insekten. Besucher sind besonders Bombus-Arten und Bienen- und Schwebfliegen-Arten. Selbstbestäubung ist durch die räumliche Trennung von Griffelästen und Staubbeutelbündeln erschwert, ist aber beim Schließen der Blüten möglich, wenn die schrumpfenden Kronblätter die Blüte wieder einhüllen.
Die goldgelben Kronblätter enthalten in Gewebslücken das blutrote Hypericin, das beim Zerreiben(am besten mehrere Blütenknospen nehmen) auf den Fingern eine Rotfärbung hinterlässt.
Früchte sind bei Trockenheit geöffnete, wandspaltige Kapseln. Die kleinen Samen werden von Tieren verschleppt (Zoochorie) oder durch den Wind verbreitet (Ballonflieger).
Vegetative Vermehrung erfolgt durch Wurzelsprosse.
Die Pflanze ist leicht giftig. Die getrockneten Blüten des Behaarten Johanniskrauts enthalten bis zu 1,4% des roten Farbstoffes Hypericin. Die Hypericin-Aufnahme führt bei nicht pigmentierten (weißen) Weidetieren (Pferde, Schafe, Ziegen etc.) nach der Bestrahlung durch Sonnenlicht zur Hämolyseerscheinungen.
Die Chromosomenzahl beträgt n = 16,24