- Einen Gerinnungshemmer, der eine Verstopfung des Saugrüssels (Proboscis) verhindert und den Blutfluss hin zur Einstichstelle steigert.
- Eine Art Klebstoff, der die Mundwerkzeuge fest in der Haut verankert.
- Ein Betäubungsmittel, das die Einstichstelle unempfindlich macht. Diese Komponente ist sehr wichtig, da Zecken im Vergleich zu Stechmücken einen wesentlich größeren und gröberen Stechrüssel besitzen und außerdem sehr viel länger, bis zu einer Woche, an ihrem Nahrungsopfer Blut saugen, das davon nichts mitbekommen soll.
- Einen entzündungshemmenden Wirkstoff. Dieser soll eine Stimulation der körpereigenen Immunabwehr an der Einstichstelle vermeiden.
Anschließend wird dann das Blut durch die Zecke aufgeleckt. Dabei würgt bzw. spuckt (regurgiert) die Zecke in regelmäßigen Abständen während der Blutmahlzeit unverdauliche Nahrungsreste in ihren Wirt zurück. Speziell bei diesem Vorgang können Krankheitserreger, die zuvor bei einem anderen Wirt aufgenommen wurden und sich im Zeckenkörper erhalten oder sogar vermehrt haben, auf den Wirt übertragen werden.
Die verschiedenen Zeckenfamilien bzw. -gattungen können folgende Erreger bzw. Toxine (und Krankheiten) auf den Menschen übertragen:
- die Gattung Ornithodorus: überträgt Borrelia duttoni; führt zum Zeckenrückfallfieber
- die Gattung Argas: (?); lokale Hautreaktionen und seltener toxische Allgemeinsymptome wie Pulsbeschleunigung, Atemnot und Erbrechen
Wichtigste Überträger in Mitteleuropa sind die Arten der Gattung Ixodes mit der häufigsten einheimischen Art, dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), in den östlichen USA Ixodes scapularis, in Russland Ixodes persulcatus.
Weitere Gattungen sind Rhipicephalus, Dermacentor, Haemaphysalis, Amblyomma und aus der Familie der Lederzecken die Gattungen Argas und Ornithodorus.
Diese können - meist nur bei länger anhaltender Blutmahlzeit - einen oder mehrere der folgenden Krankheitserreger bzw. Krankheiten übertragen:
- Babesia microti und Babesia divergens: Babesiose
- Francisella tularensis: Tularämie
- Ehrlichiose: HGA humane granulozytäre Anaplasmose (früher: Ehrlichiose) und HME humane monozytäre Ehrlichiose
- Rickettsien: Rickettsiosen wie das
- Rocky-Mountains-Fleckfieber durch Rickettsia rickettsii
- Boutonneuse-Fieber oder Mittelmeer-Zeckenfleckfieber, Kenia-Fieber; durch Rickettsia conorii
- Fleckfieber durch Rickettsia prowazekii
- Q-Fieber: Coxiella burnetii
- Borrelien: Borreliosen wie die Lyme-Borreliose; durch den Erreger Borrelia burgdorferi
- verschiedene Viren wie das
- FSME-Virus: Frühsommer-Meningoenzephalitis
- RSSE-Virus
- Louping-ill-Virus
- Powassan-Virus
- Kyasanur-forest-Virus: Kyasanur-Wald-Fieber
- CCHF-Virus: Hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber; der Erreger wurde auf der Krim und im Kongo nachgewiesen.
- Omsk-hämorrhagisches Fieber-Virus: Omsk-hämorrhagisches Fieber
- Colorado-tick-Virus
und etwa 50 weitere Krankheiten weltweit wie das Texasfieber - die wichtigsten Erkrankungen werden unten in Kurzform vorgestellt.
Im Speichel kommen daher auch Krankheitserreger (Viren, Bakterien, einzellige oder mehrzellige Parasiten) vor, die die Zecke bei einer vorangegangenen Nahrungsaufnahme bei einem infizierten Opfer zusammen mit dem Blut aufgenommen hat. Wenn diese Krankheitserreger in der Zecke nicht nur überleben, sondern sich auch noch in ihr vermehren und oder wandeln, dann ist die Zecke ein Wirt bzw. Zwischenwirt für diese Krankheitserreger und infiziert in schon beschriebener Weise ihr nächstes Nahrungsopfer. Zecken, darunter die in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Schildzecke (Ixodes ricinus), sind als Vektoren, d.h. Überträger von Viren (Arboviren) und Bakterien festgestellt. Sie können also durch ihren Stich die verschiedensten Infektionskrankheiten auf den Menschen und alle möglichen Wirbeltierarten übertragen. Auch eine rein mechanische Übertragung von auf dem Stechorgan anhaftenden Viren ist möglich.
Die Erreger, die sich bei einer infizierten Zecke in ihrem Darmtrakt befinden, werden nicht unbedingt sofort, sondern mitunter erst während des Saugaktes nach einigen Stunden (bei der Borreliose zum Beispiel in der Regel in einem Zeitfenster von 8 bis 24 Stunden nach dem Einstich) auf den Menschen übertragen. Deshalb ist auch eine möglichst rasche und vorsichtige Entfernung einer Zecke dringend angeraten.
Die Borreliose ist in der nördlichen Hemisphäre die häufigste von Zecken übertragene, oft mit schweren neuropathischen Symptomen einhergehende Erkrankung, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi aus der Gruppe der Spirochaeten ausgelöst wird. Eine Borrelieninfektion durch Zecken ist in ganz Deutschland, im Schweizer Mittelland sowie im mittleren und östlichen Österreich, sogar in Städten, möglich. Wie eine Studie am Max-von-Pettenkofer-Institut für Hygiene und Mikrobiologie in München zeigte, stellt "der direkte Kontakt mit Büschen in Gärten ein bisher unterschätztes Risiko" dar, durch Zeckenstiche an Lyme-Borreliose zu erkranken. Die Zahl der Neuinfektionen pro Jahr wird für Deutschland auf 50.000 bis 100.000 geschätzt. Gegen die Borreliose existiert keine Impfmöglichkeit, sie kann aber bei frühzeitiger Erkennung gut mit Antibiotika behandelt werden. In Deutschland ist die Borreliose in den neuen Bundesländern und Berlin eine meldepflichtige Erkrankung.
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird ebenfalls in Europa von Zecken übertragen. Sie wird durch Viren verursacht und führt zur Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute. Die Übertragung dieser in den Speichelzellen der Zecke befindlichen Viren beginnt sofort nach dem Stich und kann sich im Verlaufe der Nahrungsaufnahme deutlich bis zum Erreichen einer für eine Infektion mit anschließendem Krankheitsausbruch notwendigen Viruslast steigern. Allerdings ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis nicht nur auf den Frühsommer begrenzt, sondern Zecken können den Erreger auch im Spätsommer oder Herbst übertragen. Die Zeckensaison ist von März bis Oktober, bei milder Witterung aber auch länger.
Gegen die FSME ist eine Schutzimpfung möglich. Im deutschen Sprachraum besteht die Gefahr einer FSME-Infektion nur in bestimmten Gebieten, die sich jedoch von Jahr zu Jahr entlang der Flüsse ausdehnen. Während man sonst davon ausgeht, dass jede 20.000ste Zecke das Virus in sich trägt, so ist in diesen Epidemiegebieten schon jede 1000ste Zecke betroffen. Das Ansteckrisiko bei FSME liegt allerdings bei lediglich 0,03 Prozent.
Der für das Q-Fieber verantwortliche Erreger, das Bakterium Coxiella burnetii, das insbesondere bei Rindern, Schweinen, Pferden, Schafen, Ziegen, aber auch bei Wild- und Haustieren - wie z.B. Rehen, Füchsen, Katzen und Hunden diese Erkrankung auslöst, wird vor allem im Süden Deutschlands nicht in erster Linie aber auch von der Frühjahrswaldzecke (Dermacentor marginatus) aus der Gattung der Schafzecken gelegentlich auf den Menschen übertragen. Die Infektion erfolgt, wenn die Zecke zunächst ein infiziertes Tier sticht und anschließend einen Menschen. Es genügt aber auch schon, den Kotstaub der Zecke einzuatmen. Das Q-Fieber ist eine nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung.
Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) aus der Gattung der Buntzecken ist besonders in letzter Zeit auch in Deutschland bei den Haltern von Hunden und Katzen als Überträger der Blutparasiten Babesien (Babesia canis canis) gefürchtet. Diese Einzeller befallen die Haustiere und zerstören wie die Malaria die roten Blutkörperchen. Daher wird bei der Babesiose (Piroplasmose) als häufigstes Symptom eine Blutarmut festgestellt. Weitere Symptome können bei den befallenen Tieren hohes Fieber, roter oder grünlicher Urin oder Gelbsucht sein. Einige Babesienarten werden von der Auzecke auch auf den Menschen übertragen. Diese Erreger sind jedoch für den Menschen nicht sehr gefährlich. Nur in seltenen Fällen lösen sie grippeähnliche Symptome aus, wenn das Immunsystem vorher schon geschwächt war. Die vor kurzem (04. 2005) erstmalig auch im deutschen Bundesland Brandenburg festgestellte Erregerart Babesia canis canis befällt nach einer Übertragung durch die Auzecke nur Hunde oder hundeartige Tiere wie z.B. den Fuchs. Dieser Krankheitserreger ist also streng wirtsspezifisch und kann daher nicht auf den Menschen übertragen werden.
Die meisten humanpathogenen Babesia microti Fälle stammen aus den USA. In Deutschland kommen derzeit ausschließlich Testkits auf den amerikanischen Erreger Babesia microti zum Einsatz. Es ist jedoch bekannt, dass der humanpathogene Erreger Babesia divergens hauptsächlich in Europa anzutreffen ist. Es wäre sinnvoll nachzuprüfen, inwieweit die eingesetzten Testkits ansatzweise Babesia divergens Infektionen erfassen können. Babesien befallen die Erythrozyten (rote Blutkörperchen). Die Babesien dringen in die roten Blutkörperchen ein, vermehren sich und zerstören die Blutzellen. Meist soll die Infektion bei Menschen mit abwehrstarkem Immunsystem (immunkompetent) symptomlos verlaufen, doch das betrifft vor allen Dingen den US-amerikanischen Erreger B. microti. Der in Europa anzutreffende Erreger B. divergens ist aggressiver.
Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 6 (12) Wochen stellen sich Symptome wie Übelkeit, Appetitlosigkeit, Müdigkeit ein; nach einigen Tagen treten Fieber, Muskelschwäche, Kopfschmerzen und Arthralgien auf, schweren Erschöpfungserscheinungen. Eine Tage bis Wochen dauerende hämolytische Anämie, Hämoglobinurie (Rotfärbung des Urins). In extremen Fällen kann es zu Nierenversagen und akutem Lungenversagen führen.
Therapie: Chinin, Clindamycin Bei schweren Hämolysen und drohendem Nierenversagen können Austauschtransfusionen notwendig werden.
Eine weitere auf der Nordhemisphäre weit verbreitete und von Zecken übertragene Krankheit ist die Tularämie. Auch das Boutonneuse-Fieber, das Omsker hämorrhagische Fieber, das Krim-Kongo-Fieber, das Kyasanur-Wald-Fieber sowie verschiedene hämorrhagische Fieber, Ehrlichiosen und Rickettsiosen (z.B. das Mittelmeerfleckfieber und das hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent, am Mittelmeer und in Afrika vorkommende Zeckenbiss-Fieber) werden von Zecken übertragen. In den Tropen sind Zecken Überträger für Fleck-, Rückfall-, Texas-Fieber und auch Babesien, eine parasitische Protozoenart. Weltweit übertragen Zecken noch mehr als 50 weitere Krankheiten.
Möglicherweise gibt es darüber hinaus bisher noch unbekannte Erreger, da häufig bei Personen, die nach einem Zeckenstich Fieber hatten, keine der bekannten Pathogene zu ermitteln waren.